Grundlagen der Tattooentfernung mit Laser

In der westlichen Gesellschaft wurden Tätowierungen lange Zeit mit ehemaligen Häftlingen oder Seemännern in Verbindung gebracht. Der Livestyle der 1980er Jahre machte den vielfältigen Hautschmuck auch in unserer Breiten entgültig gesellschaftsfähig – Tattoos wurden Mode.

Geschmäcker, bei manchen auch Lebenseinstellungen ändern sich jedoch im Laufe der Zeit und so kann es natürlich sein, dass einem das gestochene Motiv nicht mehr gefällt und man es wieder los werden will.

Die Schichten der Haut

Jeder weiss nun aber, dass es sehr schwierig ist, Tattoos wieder unsichtbar zu machen. Grund dafür ist, dass ein Tattoo, in eine bestimmte Hautschicht gestochen wird, die sich nicht erneuert.
Die menschliche Haut (Cutis) besteht aus drei Schichten, der gefäßlosen Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis) und dem Unterhautfettgewebe (Subcutis).

Jede der drei Schichten erfüllt seine eigene Aufgabe, um die Homöostase zu erhalten, also den menschlichen Körper von seiner Umwelt abzuschirmen.

Die Oberhaut dient neben seiner sozialen Funktion der Abdichtung gegen Wasser, Bakterien und Parasiten. Die Lederhaut sorgt mit ihrem hohen Kollagengehalt, wie der Name bereits impliziert, für Stabilität und Zähigkeit. Sie verhindert, dass schwere Verletzungen bereits bei Bagatelltraumen auftreten. Die dritte Schicht, das Unterhautfettgewebe sorgt für Polsterung der darunterliegenden Strukuren und isoliert den Körper durch ihre starke Durchblutung vor Kälte.

Die oberste Schicht der Haut ist im Alltag ständigen kleine Verletzungen ausgeliefet, die wir selbst zum Großteil weder sehen noch spüren. Im Gegensatz zu unserem Empfinden sind solche Stellen aber riesige Pforten für mikroskopisch kleine Bakterien und Viren, die auf der Haut und in Poren buchstäblich darauf warten eindringen zu können.

Um dem entgegen zu wirken, hat die Evolution ein besonderes System hervorgebracht, das im menschlichen Körper einzigartig ist. Die ständige Erneuerung der obersten Hautschicht. Wir häuten uns praktisch einmal im Monat komplett.

Wenn die Farbstoffe bei der Tätowierung zu oberflächlich eingebracht werden, stößt die Haut sie innerhalb von 4 Wochen wieder ab. Werden sie zu tief eingebracht, schwemmt sie der Blutfluss weg. In beiden Fällen verblasst das Tattoo in ungewünscht kurzer Zeit.

Die optimale Schicht ist die Lederhaut, genauer die kollagenbildenden Fibrozyten der Lederhaut. Dort wird Makrophagen die nötige Zeit geboten, die Farbstoffe einzukapseln und vom Rest des Körpers abzuschirmen.

Gängige Farbstoffe enthalten Chrom- (grün), Cobalt- (blau), Cadmium- (gelb), Quecksilbersalze (rot).

Die Laserbehandlung zur Tattooentfernung

Bei der Entfernung von Tattoos durch Laser werden überwiegend die Zellen zerstört, die Pigment eingelagert haben. Dies liegt daran, dass Körperzellen von Natur aus durchsichtig sind. Bei durchsichtigen Strukturen geht Licht einfach durch, ohne seine Energie in Form von Wärme an die Umgebung abgeben zu können. Licht kann seine Energie nur abgeben, wenn es absorbiert wird. Am besten kann man sich den Vorgang mit dem schwarzen Auto vorstellen, welches sich durch die Sonne erhitzt.

Bestenfalls sollten damit nur die Makrophagen mit eingekapseltem Farbstoff zerstört werden. Dabei platzen die Zellen auf und setzen das zusätzlich verkleinerte Pigment frei, das nun vom Körper leichter abgebaut werden kann. Dabei kommt es bei einem Teil immer zur wiederholten Ablagerung durch erneute Kapselung, was mehrere Behandlungssitzungen nach sich zieht.
Für unterschiedliche Farbtöne existieren grundverschiedene Lasersysteme mit unterschiedlicher Wellenlänge.

Grundsätzlich lassen sich alle Farben bis auf gelb mit den heutzutage eingesetzten Systemen gut entfernen. Gelbe Tattoos gelten oft als therapierefraktär und sind trotz Einsatz von verschiedenen Lasertypen schlecht zu entfernen.

Vor der Entfernung sind keine speziellen Vorbereitungen der Haut nötig. Die Haut muss lediglich entfettet werden und sollte nicht gebräunt sein, da sonst auch vermehrt Melanozyten zerstört werden können.

Anfangs wird an einer kleinen Stelle der am besten geeignete Laser ausprobiert und auf mögliche Nebenwirkungen geachtet. Unerwünschte Wirkungen können dadurch nicht verhindert, aber stark vermindert werden.

Zur Linderung der Schmerzen wird die Haut mit einer Lidocain haltigen Salbe eingecremt. Dennoch ist mit einer ähnlichen Schmerzintensität wie beim Tätowieren zu rechnen.
Der Großteil der Pigmente wird nach außen abtransportiert. Es daher wichtig die entstandenen Krusten zu belassen bis sie sich von selbst von der Haut lösen.

Hier finden Sie Beispielbilder von erfolgreichen Tattooentfernungen.

Über die exakte Dauer der Einzelsitzung kann man keine exakte Auskunft geben, es ist jedoch bekannt, dass professionell angefertigte Tattoos aufgrund der wesentlich höheren Farbdichte länger standhalten. Grundsätzlich muss man für eine Fläche von 6 x 6cm mit 5 bis 10 min rechnen.

Zwischen den Sitzungen ist eine Pause von vier Wochen einzuhalten, um der angegriffenen Haut Zeit zur Regeneration zu geben. In diesem Zeitraum darf das therapierte Areal nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden.

Wenn man mit durchschnittlich fünf bis zehn Sitzungen zur vollständigen Entfernung rechnet, dauert es Monate.

Eine alternative Methode zur Laserentfernung stellt die Diathermie dar. Der Unterschied zwischen den beiden Systeme liegt darin, dass bei der Diathermie anstelle von Licht Mikrowellen verwendet werden, um die pigmentierten Zellen zu zerstören.

Die Entfernung mittels Laser gilt allgemein als spezifischer und nebenwirkungsärmer.

Kosten der Tattooentfernung

Die Kosten für eine Tattooentfernung mittels Laser belaufen sich pro Sitzung auf ca. 50 bis 300€. Je nach Farbzusammensetzung, Größe und Eindringtiefe des Motives sind unterschiedlich viele Sitzungen nötig, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. Bei durchschnittlich 5 bis 10 Sitzungen pro Tattoo befinden sich die Kosten im Bereich von 250 bis 3000€.

Man sollte daher vor Beginn der Laserung vom behandelnden Arzt eine individuelle Kostenabschätzung einforden.

Die finanzielle Unterstützung der Krankenkassen ist nicht gegeben, da es sich um eine rein kosmetische Behandlung handelt. Patienten müssen ausschließlich selbst für die entstehenden Kosten aufkommen.

Risiken der Tattooentfernung

Direkt nach der Lasertherapie entstehen häufig lokale Rötungen und Schwellungen, die sich durch Kühlung innerhalb der ersten Tage zurückbilden.

Zu den Risiken zählen vorallem dauerhafte kosmetische Probleme. Zu den häufigsten zählen Fehlpigmentierungen bei dunkelhäutigen Personen; Verbrennungen; verdickte Narben, sogenanntes Keloid oder unvollständige Entfernung.

Wie bei allen medzinischen Leistungen, die selbst zu zahlen sind, lässt man sich am besten nicht von Schnäppchenangeboten verleiten. Bei billigen Anbietern handelt es sich möglicherweise um schlecht ausgerüstete Praxen, die mit einem einzigen Laser unterschiedliche Schattierungen oder Farben behandeln. Gütegeschaltete Laser die speziell entwickelt wurden, um Tattoos zu entfernen sind in der Anschaffung teurer und bedürfen häufiger Qualitätskontrollen.

Um möglichst gute Ergebnisse zu erhalten, empfiehlt es sich ein Zentrum für Laserbehandlung aufzusuchen, in dem Ärzte Erfahrung mit Tattooentfernung und das nötige Equipment zur Verfügung haben.

Ein seriöses ärztliches Beratungsgespräch über die Notwendigkeit oder die Methode der Entfernung ist der beste Weg die Nebenwirkungen gering zu halten. Sie wollen mehr zu dem Thema erfahren?

Von | 2018-10-02T08:44:58+00:00 27.09.2018|Tattooentfernung|0 Kommentare
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